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Es geht nur um neue Baugebiete – Ehrlichkeit ist gefragt!

Leserbrief zum Artikel „Letztlich entscheidet die Politik“ / KR 26.01.2012

Am Dienstag Abend wurde bei der Vorstellung der UVS zum Ostring endlich offiziell bestätigt, was die Bürgerinitiative schon lange der Politik vorwirft: Ein Plan des Gutachters des Büros VIA zeigt geplante Baugebiete vor Mechernich-Nord. Laut Gutachter dient der Ostring der Anbindung dieser Gebiete. Wenn man dann berücksichtigt, dass die Entlastungen auf dem Mechernicher Weg trotz Ostrings minimal sein werden, ist klar: Die Politik in Mechernich „verkauft“ den Bürgern den Ostring als Entlastung für den Mechernicher Weg und die Innenstadt und hat dies sogar im Ratsbeschluss so formuliert – dort ist von Verkehrsnotstand und überörtlichem Durchgangsverkehr die Rede. Alle Beteiligten, die sich die Mühe gemacht haben, die Gutachten zu lesen, sollten wissen, dass dies vorgeschobene Argumente sind: Der Verkehr aus Zülpich ist innerhalb von 10 Jahren um 27% zurückgegangen, auf der Ortsumgehung Kommern (B 266) um 10%, am Bahnübergang Mechatronics um 33%, Durchgangsverkehr im Kernort liegt bei 5,5%, der Verkehr aus Mechernich nach Kommern macht gerade 20% aus. Der „Notstand“ entsteht also vor Ort und ist auch nur dort zu lösen.

Dass die Gutachter von einer Stagnation der Verkehrsmenge ausgehen (im Kernort sogar -3%), und die Bevölkerungsprognose zweimalig nach unten korrigiert haben stellt den Ostring noch mehr als entbehrlich dar. Völlig unverständ-lich ist auch, einen Nutzen zu sehen, wenn der Entlastung einer Fläche von 1,41 ha eine Belastung von 17,63 ha gegenüber steht. Gerade die Offenbarung am Dienstag Abend zeigt: Der Bürger muss von der Politik Ehrlichkeit erwarten. Eine anachronistische Stadtentwicklung, die im Zubetonieren und Besiedeln von Erholungsflächen besteht, findet weder die Zustimmung von Gutachtern noch von den Bürgern mit gesundem Menschenverstand. Lösungen vor Ort und eine geschickte Planung der bestehenden Verkehrsströme sind nicht nur billiger, sondern schneller und einfacher umzusetzen. Hier ist das Können der Verwaltung gefragt – man muss nur wollen!

Bernd Rudolph

 

Es geht nur um neue Baugebiete in Mechernich Nord!

Leserbrief zum Artikel „Gerangel um Ostring… “ / KSTA 26.01.2012

Am Dienstag Abend wurde bei der Vorstellung der UVS zum Ostring endlich klar, was das eigentliche Ziel des Ostrings ist: Der Gutachter bestätigte, dass neue Baugebiete vor Mechernich-Nord erschlossen werden sollen. Dies erscheint nur plausibel, wenn man berücksichtigt, dass die vermeintlichen Entlastungen auf dem Mechernicher Weg und im Kernort so gering ausfallen, dass sie weder die Zerstörung des Naherholungsgebietes noch die enorme Bausumme rechtfertigen. Dem Bürger wurde seit Anbeginn suggeriert, dass der Ostring eine der Entlastung der Verkehrsströme diene – sogar im Ratsbeschluss wurde dies so formuliert, hier ist von einem „Verkehrsnotstand“ die Rede. So wird geschickt abgelenkt von der eigentlichen Absicht. Es wird Zeit, dass endlich das gemacht wird, was die Bürger erwarten: Natur erhalten, und Mechernicher Weg und Kernort beruhigen.

Dass Verkehrsmengen nachlassen (z.B. Bahnübergang Mechatronics -33%, Verkehr aus Zülpich -27%) bzw. stagnieren, dass die Bevölkerungsprognose zweimalig nach unten korrigiert wurde, sollte allen Beteiligten Anlass sein, endlich schlaue Konzepte zu entwickeln. Die Entlastung von 1,41 ha mit der Belastung von 17,63 ha erkaufen zu wollen, ist weder effizient noch mit gesundem Menschenverstand zu verstehen. Naherholungsgebiete zuzubetoniern und zu besiedeln ist eine anachronistische Politik, die schon seit Jahren vielerorts eingestellt wurde. Wann ist es auch in Mechernich so weit? Gefragt sind einfache, schnelle Lösungen vor Ort, die darüber hinaus billiger sind. Die Bürger dürfen hoffen, dass der Dienstag Abend in seiner Offenbarung endlich zu einer längst überfälligen Änderung der städtsichen Stadt planung führt, die nicht nur modern, sondern auch ehrlich ist.

Bernd Rudolph

„Letztlich entscheidet die Politik“

Von Ronald Larmann, 26.01.12, 07:01h

KR-Res-Ostringbü

Enormes Interesse: Rund 200 Mechernicher kamen zur Bürgerversammlung ins Rathaus.

MECHERNICH - Die Ampeln stehen auf Rot. Die Schranken senken sich langsam – erst die rechte Seite, dann die linke. Die Autos, die in Richtung Mechernicher Innenstadt gesteuert werden, stauen sich auf der Weierstraße. Es ist alles wie immer. Die Schranken verrichten emotionslos ihren Dienst. Sie stören sich nicht daran, dass am Vorabend einen Steinwurf entfernt im Mechernicher Rathaus teils sehr emotional über sie gesprochen wurde. Eben weil sie sich ständig senken und sich daher der Verkehr dort staut.Die Menschen, die am Mechernicher Weg, am Schimmelsweg und an der Weierstraße wohnen, fühlen sich durch das hohe Verkehrsaufkommen über Gebühr belastet. Eine Ortsumgehung im Osten lässt sie auf Entlastung hoffen. Doch ist das wirklich berechtigt? In einer Bürgerversammlung im Rathaus wurden am Dienstagabend erneut die Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsstudie (UVS), die der Kreis Euskirchen als möglicher Bauherr der geplanten Osttangente in Auftrag gegeben hatte, von den Gutachtern vorgestellt. Das hatten sie bereits in einer Ratssitzung im vergangenen Jahr getan, doch wegen der Komplexität des Themas wurde beschlossen, die Bürger nochmals zu informieren. Knapp 200 machten von diesem Angebot Gebrauch und füllten den Ratssaal. Ein Zeichen dafür, dass der Ostring polarisiert. Die einen wollen ihn haben, die anderen wollen ihn unbedingt verhindern.

Und Letztere schienen – zumindest was die Zahl der Wortmeldungen in den Diskussionen anging – in der Mehrheit zu sein. Vor allem die Bürgerinitiative „Kontra Ostring“ erhob ihre Stimme. „Die Bürgerinitiative sieht sich durch die UVS bestärkt in ihrer Forderung, den Bau des Ostrings zu unterlassen und stattdessen die Situation in der Stadt durch sinnvolle und effiziente Maßnahmen zu entschärfen“, so Bernd Rudolph. Denn im Fazit der Gutachter heißt es: „Das Ziel, die Wohn- und Wohnumfeldfunktion durch den Bau der Osttangente mit einhergehender Verkehrs- und Lärmentlastung erheblich aufzuwerten, kann nur eingeschränkt erreicht werden. Aus gutachterlicher Sicht hat Priorität, dass aktuell unbelastete Siedlungsbereiche mit ihrem Wohnumfeld von zusätzlichen Lärmbelastungen freigehalten werden sollen. Dieser Aspekt ist ausschlaggebend für die Empfehlung der Nullplus-Variante.“

In dieser Variante wird auf den Bau des Ostrings verzichtet, gleichzeitig gehen die Gutachter von einer Ortsumgehung Roggendorf, einem vierspurigen Ausbau der B 266 und dem Durchstich des Bahnhofsbergs aus. Letzteres Projekt geriet in der Versammlung besonders in den Fokus. Denn Achim Blindert, Geschäftsbereichsleiter Bauen, Umwelt, ÖPNV und Abfall beim Kreis Euskirchen, sagte: „Die Kreispolitik hat entschieden, erst den Durchstich abzuwarten, dann die Auswirkungen zu untersuchen und sich dann erst wieder dem Thema Ostring zu widmen.“ Doch bis es soweit ist, kann es noch dauern, denn der Bau des Durchstichs verzögert sich.

Peter von Wilcken, Grünen-Fraktionschef im Mechernicher Stadtrat, machte unterdessen seine eigene Rechnung auf: „Lassen wir für den Bau des Durchstichs mal fünf Jahre ins Land gehen. Dann werden die Auswirkungen untersucht, was nochmal ein bis zwei Jahre dauert. Und schließlich muss der Ostring noch fertig geplant und gebaut werden, was sicherlich bis zu fünf Jahre dauert.“ Die Anwohner am Mechernicher Weg, am Schimmelsweg und an der Weierstraße müssten also über zehn Jahre auf eine – womöglich nutzlose – Lösung warten. „Es muss vorher etwas passieren. Da müssen wir uns zusammensetzen, um eventuell kleinteilige Lösungen für den Verkehr zu finden“, so von Wilcken.

Gutachter und Bürger brachten unter anderem eine Einbahnstraßen-Lösung für die betroffenen Straßen ins Gespräch. „Das würde den Verkehr zwar schlagartig halbieren, ist aber wohl nicht realistisch umsetzbar“, so Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick. Ein Problem seien vor allem die Rettungsfahrzeuge, die dann vom Krankenhaus aus womöglich große Umwege zu ihren Einsätzen fahren müssten, gab ein Bürger zu bedenken. Eine weitere Anregung war die Nutzung von Flüsterasphalt. „In Verbindung mit einer Tempo-30-Zone würde uns das um 5 dBA entlasten“, sagte eine Bürgerin. Das wäre zumindest eine größere Lärm-Entlastung, als die Gutachter durch den Bau des Ostrings prognostizieren. Denn dadurch würden Mechernicher Weg, Schim-melsweg und Weierstraße lediglich um 2 bis 3 dBA entlastet. Ein Wert, der laut Gutachterin kaum wahrnehmbar ist – ein gefundenes Fressen für die Ostring-Gegner. „Die Entlastung um rund 3 dBA ist lächerlich. Der Bau des Ostrings hat für mich keine Vorteile, sondern ausschließlich Nachteile. Er macht in keinster Weise Sinn“, so die Feststellung einer Bürgerin, die dafür reichlich Applaus erhielt.

Das Gegenargument von Bürgermeister Schick, dass bei der Entlastung der Bürger nicht nur der Lärm betrachtet werden dürfe, ging da fast unter. „Es geht hier auch um eine verminderte Schmutzentwicklung, die erhöhte Lebensqualität, wenn weniger Autos über die Straße fahren und dass es einfacher und sicherer ist, sich als Fußgänger auf der und über die Straße zu bewegen“, so Schick weiter. Der Bürgermeister machte schließlich deutlich, dass über Bau oder Nichtbau „letztlich die Politik in Mechernich und im Kreis zu entscheiden hat“. „Es wird ein schwieriger Abwägungsprozess und eine Kostenfrage“, sagte Schick, der sich am Ende der über dreistündigen Diskussion noch dem Vorwurf ausgesetzt sah, die Unwahrheit gesagt zu haben. „Sie haben in einem Gespräch mit uns mal gesagt, dass Sie sich gegen des Bau des Ostrings aussprechen würden, wenn die UVS dem Bau entgegenstünde. Und jetzt wollen Sie davon nichts mehr wissen“, sagte Bernd Rudolph von der Bürgerinitiative „Kontra Ostring“. Dem erwiderte Schick: „Sie legen mir da Worte in den Mund, darüber brauche ich nicht zu diskutieren.“

 

Quelle: Kölnische Rundschau

Pressemitteilung der
Bürgerinitiative Kontra-Ostring

Pressemitteilung der Bürgerinitiative Kontra-Ostring zur Vorstellung der Umweltverträglichkeitsstudie UVS am 24.01.2012

Die Beurteilung des Projektes “Ostring Mechernich” durch die Politik und die interessierte Öffentlichkeit soll durch die Vorstellung der UVS ermöglicht werden. Weitere Mittel seitens des Kreises in diesem und im nächsten Haushaltsjahr werden nicht mehr bereitgestellt, zudem sind die Planungen beim Kreis mit einem Sperrvermerk versehen.

Bislang wurden, schon vor der UVS, andere Verkehrsuntersuchungen durch die Stadt Mechernich selbst initiiert: Die VIA-Untersuchung im Jahre 2003, sowie die Untersuchung zur Situation speziell der Bahnübergänge durch das Büro IGS im Jahre 2007. Zur VIA-Untersuchung liess die Bürgerinitiative durch Herrn Prof. Dr.Ing. Steinauer vom Institut für Straßenwesen in Aachen eine Stellungnahme erarbeiten.

Der Bürgerinitiative liegen unveröffentlichte Planungen vor, nach denen seitens der Stadt beabsichtigt ist, weitere Baugebiete zu erschließen, und zwar dem heutigen Mechernich-Nord in Richtung Filskaul vorgelagert, sowie am Schwarzen Baum – die als Rodelhang unterhalb der Kapelle gelegene Fläche. Nach diesen Planungen wird mit ca. 400 Parzellen zu rechnen sein. Diese neuen Wohngebiete sind nur über den Ostring erschliessbar, da das Strassennetz in Mechernich-Nord den Verkehr nicht aufnehmen kann.

Der Ostring wurde gemäß Beschlussvorlage vom 20.02.2001 beschlossen. Wir stellen als Bürgerinitiative fest:

1. In der Beschlussvorlage führt der Bürgermeister Dr. Schick an, dass “das zunehmende Verkehrsaufkommen… zu unzumutbaren Beeinträchtigungen” geführt hat. Der Mechernicher Weg diene “vor allem dem überörtlichen Verkehr aus dem Großraum Zülpich…..”
Ferner ist von einem “Verkehrsnotstand auf der Weierstrasse” die Rede, der durch den Bahnübergang hervorgerufen werde.

Wir wissen inzwischen: Aus allen verfügbaren Untersuchungen geht hervor, dass diese o.g. Argumente nicht mehr haltbar sind. Die Verkehrsbelastungen haben lt. IGS im Zeitraum 1997 bis 2007 weitgehend stagniert und innerstädtisch gab es sogar einen Rückgang um 3% und VIA stellt fest, dass in Mechernich lediglich 5,5% Durchgangsverkehr sind (an den Bahnübergängen Weier- strasse und Turmhofstrasse sogar nur 0,9%).

Ausserdem wurde ermittelt, dass der Mechernicher Weg durch den Verkehr aus Kommern nur mit 20% belastet wird (Ziel- und Quellverkehr).

Damit ist klar: Die innerstädtische Verkehrssituation (“Verkehrsnotstand”) ist nicht durch den Ostring zu lösen, sondern nur vor Ort in Mechernich.

Der überörtliche Verkehr in der Destination Zülpich hat an Bedeutung sogar verloren: Lt. Verkehrszählung NRW ist der Verkehr dort von 2000 bis 2010 um 27% zurückgegangen.

Somit ist klar: Der Ostring kann keine Entlastung für den Mechernicher Weg bringen. Dieses Argument ist vorgeschoben: Der Ostring soll die neuen Wohngebiete erschliessen.

2. Die UVS stellt eindeutig fest, dass von allen betrachteten Varianten die Nullplus-Variante vorzuziehen ist. Dies entspricht auch der von Anfang an von der Bürgerinitiative vertretenen Position, die u.a. von Herrn Prof. Steinauer bestätigt wurde.

Es ist offentsichtlich, dass die seitens der Politik gemachten Versprechen hinsichtlich einer Beruhigung des Mechernicher Weges nicht zu halten sind, solange diese Strasse nicht vollständig gesperrt wird – doch dies ist nicht möglich, da diese Verbindung zu wichtig ist.

Der Ostring ist in seiner Wirkung nicht zielführend und darüber hinaus auch konträr zu allen landes- und bundespolitischen Entwicklungsprogrammen wie dem Aktionsprogramm MORO (Modellvorhaben für Raumordnung) sowie zur IVP (Intergrierte Verkehrsplanung NRW).

Der Ostring führt zwar zu einer Entlastung von 1,41 ha Wohn- und Wohnumfeldfläche, belastet dafür aber 17,63 ha neu – mehr als die 12-fache Fläche!

Kritisch bewerten wir den Umstand in der UVS, dass “in Abstimmung mit der Stadt Mechernich”  und “aufgrund der Vorgabe der Stadt Mechernich” die nichtveröffentlichten Baugebiete aus der Berechnung der Lärmschutzmassnahmen unberücksichtigt blieben.
Die nichtöffentlichen Planungen zeigen allerdings, dass diese Baugebiete dann sehr nah an den Ostring heranrücken. Wie dieser Widerspruch zu lösen ist (und vor allem die Grenzwerte berücksichtigt werden) – darüber gibt die UVS keine Auskunft.

Inwiefern hier bewußt kritische Sachverhalte unterdrückt wurden, um das Projekt nicht zum Scheitern zu bringen, bedarf einer Prüfung.

Ebenfalls kritisch ist der Umstand der Verkehrsführung in der Variante 1a: Schwerlastverkehr mündet in einer engen abschüssigen Kurve auf einem Kreisverkehr auf der L 61, um sich sodann bergauf zum Kreisverkehr auf der Bruchgasse zu entwickeln. Gleichzeitig wird der Ziel- und Quellverkehr Mechernich Innenstadt über die Straße am Schulzentrum Entwickelt – eine Zunahme von 3400 auf 6100 Fahrzeugbewegungen in einer 30km-Zone.

Dass der Ostring das gesamte Naherholungsgebiet zerstört, sagt nicht nur der gesunde Menschenverstand, sondern auch die UVS.

Die Bürgerinitiative sieht sich bestärkt in ihrer Forderung, den Bau des Ostrings zu unterlassen und stattdessen die Situation in der Stadt durch sinnvolle und effiziente Massnahmen zu entschärfen. Von einem “Verkehrsnotstand” in Mechernich zu sprechen ist Populismus, der unredlich und unehrlich ist. Wir erwarten von den Verantwortlichen, dass im Zuge des Bahnhofbergdurchstichs endlich eine Neukonzeption der Verkehrsströme in der Stadt erfolgt. Die Planungen neuer Wohngebiete müssen den demographischen Wandel berücksichtigen.

 

Gerangel um Osttangente geht weiter

Von Bernhard Romanowski, 25.01.12, 17:23h, aktualisiert 25.01.12, 17:49h

Die Umweltveträglichkeitsstudie zu dem Millionenprojekt wurde am Dienstag vor großem Publikum im Rathaus vorgestellt. Das Ergebnis: Laut Gutachten ist aus ökologischer Sicht vom Bau des Ostrings abzuraten.

MECHERNICH – Ein Phantom sorgt seit nun schon mehr als drei Jahrzehnten für aufgeheizte Debatten in der Mechernicher Politik. Auch auf Kreisebene ist die umstrittene Osttangente K 20 n immer wieder ein Thema gewesen, da der Kreis Euskirchen als Baulastträger für die Maßnahme verantwortlich ist. Zuletzt am Dienstag sorgte die primär zur Verkehrsentlastung der Mechernicher Innenstadt gedachte Umgehungsstraße erneut für Diskussionsstoff und einen Andrang im Rathaus, wie man ihn sonst nicht erlebt. Unter der Leitung von Achim Blindert, dem zuständigen Abteilungsleiter beim Kreis Euskirchen, wurde die so genannte Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) zu dem Millionenprojekt den Bürgern vorgestellt.

Bis auf wenige Stühle waren die Reihen im Rathaussaal voll besetzt. Ein Großteil der Besucher gehörte der Bürgerinitiative „Kontra Ostring“ an, die sich aus den Anwohnern verschiedenster Ortsteile Mechernichs rekrutiert und seit vielen Jahren Front gegen die Osttangente macht. Den politischen Gremien wie dem Kreistag und dem Mechernicher Stadtrat war die Studie schon vor geraumer Zeit vorgelegt worden (wir berichteten).

Kein Geld vom Kreis

Zur Präsentation am Dienstag reisten dann neben Achim Blindert auch sechs Gutachter in Mechernich an. Blindert machte zu Beginn noch einmal die bisherige Entwicklung der Planungen für die Osttangentedeutlich. Demnach hatte der Euskirchener Kreistag beschlossen, für die Osttangente keine weiteren Finanzmittel im Haushalt einzustellen. Die 2007 in Auftrag gegebene Umweltverträglichkeitsstudie wird nach ihrer endgültigen Fertigstellung vom Kreis an die Stadt Mechernich übergeben.

Die in Rede stehenden vier Varianten des Ostrings sind mittlerweile hinlänglich bekannt. Variante 1 sieht eine Trasse vor, die in Mechernich an der Abzweigung der Landesstraße 61 in die Feytalstraße beginnt, über ein Brückenbauwerk über die Bahnstrecke zwischen Mechernich-Nord und Kommern-Süd hindurchführt und zwischen Becherhof und Sportanlage bis zum Kreisverkehr an der Kölner Straße verläuft. Die zweite Variante wäre, von Kommern her kommend, gleich, würde jedoch unter der Bahnlinie als Tunnel fortgesetzt und zwischen Tierheim und der Zufahrt zur Kläranlage auf die L 61 führen. Die Varianten 1b und 2 b sehen zusätzlich eine Sperrung des Mechernicher Weges vor.

Drei Gutachter kamen zu Wort und erläuterten die Auswirkungen der Osttangente in ihren vier möglichen Varianten hinsichtlich des prognostizierten Verkehrsaufkommens, der Lärmbelastung und damit verbundener Lärmschutzmaßnahmen sowie mit Blick auf die so genannten Schutzgüter wie Luft, Wasser, Flora und Fauna. Insgesamt gesehen birgt die Osttangente zwar eine gewisse Entlastung des Mechernicher Wegs, dafür aber würden andere von der Trasse betroffene Bereiche verstärkt mit erhöhtem Verkehr und Lärm belastet. Aus ökologischer Sichtist vom Bau des Ostrings laut Gutachten ganz abzuraten.

Dennoch barg die Präsentation am Dienstag ein Aha-Erlebnis für die Mitglieder der Initiative „Kontra Ostring“. Denn nach dem grundsätzlichen Nutzen der Straße gefragt, nannte ein Gutachter die bessere Anbindung der Neubaugebiete in Kommern. „Danke für Ihre Ehrlichkeit, Sie haben die Katze aus dem Sack gelassen“, quittierte Bernd Rudolph aus Kommern-Süd diese Information. Bislang sei nämlich immer nur die Verkehrsentlastung der Mechernicher Innenstadt als Grund angegeben worden.

Auch die Fragen, ob man es tatsächlich mit einem wachsenden Verkehrsaufkommen im Mechernicher Raum zu tun habe, ob der geplante Bahnhofsberg-Durchstich nicht schon genügend Entlastung bringe und ob man das Naherholungsgebiet rund um die Filzkaul wirklich einer Straße opfern wolle, wurden im Rathaus erörtert. „Lärm und Gestank machen uns krank. Wir wollen auch ein bisschen Natur“, machte zwischendurch eine Anwohnerin der Weierstraße ihrem Unmut Luft. Der überwiegende Teil der Besucher sprach sich allerdings in Form von kritischen Fragen und Bemerkungen gegen den Ostring aus.

Für offenkundige Empörung sorgte Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick mit seiner Antwort auf eine Frage von Nathalie Konias, die ebenfalls der Bürgerinitiative gegen die Osttangente angehört. Konias erinnerte den Bürgermeister an seine Aussage, wonach der Ostring für ihn vom Tisch sei, falls die Umweltverträglichkeitsstudie negativ ausfalle. Weitere Mitglieder der Initiative bestätigten diese Aussage, die Schick bei einem Treffen mit der Initiative getroffen haben soll. Schick erwiderte, ihm würden „Worte in den Mund gelegt“, er könne die Entscheidung über die Osttangente gar nicht treffen, da er nicht im Kreistag sitze. Erneut auf seine Aussage angesprochen, gab er zu verstehen: „Hier stehen sich Rede und Gegenrede gegenüber.“

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, Ausgabe 25.01.2012

Kommentar: Zu den Akten legen

Haben Sie’s gesehen?

In den Bürgerbriefen Nr. 25 und 26. lädt der Bürgermeister der Stadt Mechernich zu einer Bürgerversammlung zum Ostring ein. Hier soll die vom Kreis Euskirchen beauftragte Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) vorgestellt und erörtert werden (Beschlussvorlage des Kreises vom 08.06.2011). Die UVS hat die möglichen Trassenverläufe des Ostrings auf ihre ökologisch verträgliche oder unverträgliche Eignung überprüft. Dazu wurden die Auswirkungen des Baus des Ostrings auf Mensch, Tiere, Pflanzen, Boden, Wasser, Luft, Klima, Landschaft und Kultur- und Sachgüter beschrieben und bewertet.

Falls auch Sie die Einladung vielleicht übersehen haben, hier der Hinweis von uns – der Bürgerinitiative gegen den Ostring – auf diese Veranstaltung. Die Vorstellung der Studie findet am Dienstag, dem 24. Januar 2012 im Ratssaal (Raum 205, 2.OG) der Stadtverwaltung Mechernich, Bergstraße 1 statt.

Eine Diskussion und die Möglichkeit, Fragen zur UVS zu stellen, ist von der Verwaltung des Kreis Euskirchen ausdrücklich gewünscht und so beauftragt.

 

 

Einladung zu einer Bürgerversammlung

in Sachen Ortsumgehung Mechernich (Osttangente)

Dem Rat der Stadt Mechenich wurde in einer Sitzung am 12.07.2011 die Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) zum Neubau der K20n Ortsumgehung Mechernich (Osttangente) seitens des Kreises Euskirchen sowie der Gutachter vorgestellt. In der Sitzung wurde zugesagt, auch die interessierten Bürgerinnen und Bürger zu informieren.

Diese Informationsveranstaltung findet am Dienstag, dem 24. Januar 2012, um 18:30 Uhr im Ratssaal der Stadtverwaltung Mechernich, Bergstr. 1 (Raum 205, 2. OG) statt. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind zu dieser Veranstaltung eingeladen.

Stadt Mechernich
Der Bürgermeister

Quelle: Bürgerbrief Mechernich, Ausgabe Nr. 25

Bürgerproteste werden ignoriert

PLANUNG Zu “Osttangente ist noch lange nicht vom Tisch” (14. Juli)

Quelle: Kölner Stadtanzeiger, Ausgabe 20.07.2011 (E-Paper)

Bei der Vorstellung verschiedener Trassenführungen der geplanten K 20 n (Osttangente) im Rathaus Mechernich am 12. Juli durch das Büro Hellmann und Kunze wurde dem Publikum schnell klar, dass jede der vorgestellten Bauvarianten erhebliche Konsequenzen für die Menschen und die Natur dieser Gegend bedeuten würde.

Die von Hellmann und Kunze für notwendig erachteten meterhohen Lärmschutzwälle und -wände würden das Landschaftsbild dieses Erholungsgebietes nachhaltig zerstören und Flora und Fauna stark beeinträchtigen. Ausgleichsflächen können diesen Verlust nicht kompensieren.

Dessen ungeachtet ließ der Bürgermeister erkennen, dass “er den Willen hat, die Osttangente zielstrebig weiterzuverfolgen”, was beweist, dass berechtigte Bürgerproteste und Umweltschutz bei der Mechernicher Verwaltung keinen Stellenwert haben.

Die B 266 wurde unter anderem ursprünglich als Umgehung für Kommern und die Verbindung nach Mechernich konzipiert. Durch die Ausweisung des Mechernicher Weges als reine Anliegerstraße wären die Autofahrer wieder wie früher gezwungen, die eigentliche Verbindung B 266 zum Kernort zu nutzen. Mechernicher Weg und Schimmelsweg wären damit weitgehend entlastet.

Die Bausünden der letzten Zeit auf Mechernicher Gebiet reichen bereits jetzt aus, um Bauwillige aus den Städten eher abzuschrecken als anzulocken.

Hannelore Kurtenbach, Mechernich